Hochbegabung
Wie viele Unbekannte gibt es,
deren intellektuelle Begabung verborgen ist
wie die Qualität eines sehr guten Weines
in einer Flasche ohne Etikett?
© Gregor Brand, (*1957)
Ab wann ist man hochbegabt?
In den gängigen Intelligenztests wird nur die intellektuelle Hochbegabung gemessen. Als hochbegabt gilt hier, wer einen IQ von 130 oder mehr in einem solchen Test erzielt. Dies ist jedoch eine fließende Grenze, d.h. ein Mensch mit einem IQ von beispielsweise 128 wird ebenfalls zu hohen oder höchsten Leistungen in der Lage sein.
Die Grenze von 130 ergibt sich aus der Gaußschen Normalverteilungskurve. Als hochintelligent werden die 2,1% der intelligentesten Menschen der Bevölkerung bezeichnet. Auf der Gaußschen Normalverteilungskurve liegt dieser Wert bei 130.
Der Mittelwert von 100% entspricht im Übrigen der durchschnittlichen Intelligenz der Bevölkerung. Dieser Wert wird im Laufe der Jahre immer wieder neu angepasst, da sich herausgestellt hat, dass sich die durchschnittliche Intelligenz langfristig verändert.
Messmethoden oder einen Messbereich für sportliche oder musikalische Hochbegabung gibt es nicht.
Nur die Begabung gibt die Natur, die Kunst
des rechten Gebrauchs der angeborenen Gabe
erwirbt sich der Mensch allein durch mühevolle Arbeit.
Kein Genie kann ohne Fleiß das Höchste erreichen.
Jürgen Bona Meyer, (1801 - 1869)
Was ist Hochbegabung?
Hochbegabung ist ein unpräziser Begriff und wird im Alltag wie im wissenschaftlichen Kontext nicht einheitlich verwendet, da er lange geschichtliche Entwicklung und viele verschiedene Wurzeln hat. Ziegler (2008) schreibt dass, „seine Semantik im deutschsprachigen Raum zwar nicht ohne erkennbare Konturen, doch recht diffus“ ist.
Aus der historischen Entwicklung heraus hat sich je nach der Wertevorstellung der jeweiligen Epoche eine unterschiedliche Bedeutung entwickelt. Wenn Hochbegabung im Mittelalter noch „göttliche Gnade“ (Ziegler, 2008) war, so war er im modernen Zeitalter geprägt vom Leistungsgedanken und wird mit Begriffen wie Talent, Kreativität, Erfolg und persönlichen Eigenschaften wie dem „Drang nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung“ (Ziegler, 2008) verbunden.
Nach wie vor herrscht keine einheitliche Definition des Begriffs Hochbegabung vor, tatsächlich sträuben sich viele Menschen direkt, dem Begriff bestimmte Merkmale zuzuordnen, in der Befürchtung alle Hochbegabten in die gleiche Schublade zu stecken. Tatsächlich sind Vorurteile über Hochbegabte weit verbreitet. Dennoch halte ich es für wichtig, bestimmte Kriterien herauszuarbeiten, auch um es hochbegabten Menschen zu ermöglichen, sich „wiederzuerkennen“ oder um z.B. hochbegabte Kinder, deren Hochbegabung noch unerkannt ist, zu identifizieren. Zum einen ist dies für die persönliche Entwicklung des einzelnen wichtig, zum anderen „wurde in fast allen Ländern erkannt, dass Wohlstand, kultureller, gesellschaftlicher und technischer Fortschritt wesentlich auf den Beiträge leistungsexzellenter Personen beruhen“ (Ziegler, 2008).
Jede Hochbegabung ist anders
Es gibt unterschiedliche Arten von Hochbegabung, wie z.B. sportliche, musikalische oder intellektuelle Hochbegabung. In der Literatur wird hier unterschieden, um bestimmte Kriterien für die Messung des intellektuellen Intelligenzquotienten festlegen zu können.
Auch beim Begriff der Intelligenz gibt es in der einschlägigen Literatur unterschiedliche Einteilungen, man ist sich jedoch weitgehend einig, dass es nicht die EINE Intelligenz beim Menschen gibt, sondern vielmehr jeder Mensch in unterschiedlichen Bereichen Stärken und Schwächen hat.
Wenn gemeinhin von Intelligenz die Rede ist, ist meist die intellektuelle Intelligenz gemeint. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff der Hochbegabung. Doch genau wie bei der Intelligenz wäre es sehr einseitig nur diese intellektuelle Seite zu beleuchten, um einen Menschen bzgl. seiner Intelligenz bzw. Hochbegabung einzuschätzen.
Vielmehr gibt es Hochbegabung (wie auch Intelligenzen) in den unterschiedlichsten Bereichen und Ausprägungen. Ein Mensch bringt vielleicht in der Schule, wo vorwiegend intellektuelle Leistungen beurteilt werden, nur durchschnittliche Noten, lernt aber dafür mit Leichtigkeit verschiedene Instrumente, malt wunderbare Bilder, bringt sportliche Höchstleistungen oder engagiert sich mit großem Erfolg in sozialen Einrichtungen. Es wäre daher fatal, allen hochbegabten Menschen, die gleichen Fähigkeiten zuzuschreiben oder die gleichen Leistungen von ihnen zu erwarten.
Also...
Hochbegabung definiere ich, wie es größtenteils auch in der der Literatur geschieht, als Potential bzw. Disposition zu sehr hohen Leistungen. Es hängt von weiteren Faktoren, wie z.B. dem sozialen Umfeld, der Motivation oder der individuellen Förderung, ab, ob dieses Potential ausgeschöpft wird und zu den entsprechend hohen Leistungen führt. (Wittmann & Holling, 2004, S. 6)
In jedem Fall kann es für das eigene Leben unglaublich bereichernd sein, herauszufinden, wo die eigenen Potentiale liegen und diese dann auch zu LEBEN!